Wer wir sind

Wir glauben an die Kraft der Erneuerung
durch Gottes Geist,
der in jeder Religion, Konfession und Kultur
weht, wo und wie er will.
Wir glauben an die Kraft der Gemeinschaft,
die sich ihrer Geschichte erinnert, aus Fehlern lernt
und ihren Glaubensquellen Zuversicht schöpft.
Wir glauben an die friedensstiftende Kraft der Religionen,
die allem Fundamentalismus wehrt,
und sich an der Vielfalt der Kulturen erfreut.
Wir glauben an die Mitmenschlichkeit,
die Würde jedes Menschen und das Mitgefühl,
weil wir Gottes geliebte Kinder sind.
Uns ruft der Klimawandel zur Umkehr
und ein Meer aus Lügen zur Vernunft.
Unsere Herzen lassen uns glauben,
dass die Liebe stärker ist als der Tod
und wir mit keinem Geld der Welt
ein sinnvolles Leben erwerben können.
Uns ängstigen keine bösen Mächte mehr,
weil wir auf Gottes Güte vertrauen,
von nun an bis in alle Ewigkeit.

Wer wir sind

Wir sind ein bunter Haufen von Menschen aus verschiedenen Bereichen der Gesellschaft, mit vorwiegend protestantischem Stallgeruch. Uns verbindet das Interesse, die Erfahrungen von 2017 nicht verpuffen zu lassen. In guter Nachbarschaft und protestantischer Freiheit wollen wir die Impulse der Reformation in einer uns mutlos erscheinenden Welt mit neuer Kraft entfalten. Wir haben das Forum Reformation im Jahr nach dem Reformationsjubiläum im September 2019 gegründet und freuen uns voller Neugier und Offenheit auf alle, die sich unserem Vorhaben anschliessen wollen.

Wir sind immer auf dem Wege und müssen
verlassen, was wir kennen und haben,
und
suchen, was wir noch nicht kennen und haben.“

Martin Luther

Die Kirche der Liebe

Sie lebt nicht als feste Form
Sondern nur im Einvernehmen der Menschen
Untereinander.
Sie hat keine Mitglieder außer jenen,
die sich ihr zugehörig fühlen.
Sie hat keine Konkurrenz,
denn sie wetteifert nicht.
Sie hat keinen Ehrgeiz,
denn sie wünscht nur zu dienen.
Sie zieht keine Landesgrenzen,
denn das entbehrt der Liebe.
Sie kapselt sich nicht ab,
denn sie sucht alle Gruppen und Religionen
zu bereichern.
Sie achtet alle großen Lehrer, Frauen und Männer aller Zeiten,
welche die Wahrheit der Liebe offenbarten.
Wer ihr angehört, übt die Wahrheit der Liebe
Mit seinem ganzen Sein.
Wer dazugehört weiß es.
Sie trachtet nicht, andere zu belehren;
Sie trachtet nur zu sein und durch ihr Sein zu geben.
Sie lebt in der Erkenntnis, dass die ganze Erde ein
Lebendes Wesen ist und wir ein Teil von ihr sind.
Sie weiß, dass die Zeit der letzten Umwandlung
Gekommen ist; fort von der Ichhaftigkeit
Aus freiem Willen zurück in die Einheit.

Sie macht sich nicht mit lauter Stimme bekannt,
sondern wirkt in den feinen Bereichen des Seins.
Sie verneigt sich vor allem,
die den Weg der Liebe aufleuchten ließen
und dafür ihr Leben gaben.
Sie lässt in ihren Reihen keine Rangfolge zu
Und keinen starren Aufbau,
denn der eine ist nicht größer als der andere.
Sie verspricht keinen Lohn,
weder in diesem noch in jenem Leben
nur Freude des Seins in Liebe.
Ihre Mitglieder erkennen einander an der Art
zu handeln, an der Art zu sein und an den Augen
und an keiner äußeren Geste
als der geschwisterlichen Umarmung.
Sie kennen weder Furcht noch Scham
und ihr Zeugnis wird immer gültig sein
in guten wie in schlechten Zeiten.
Die Kirche der Liebe hat kein Geheimnis,
kein Mysterium und keine Einweihung,
außer dem tiefen Wissen um die Macht der Liebe
und darum, dass die Welt sich ändern wird,
wenn wir Menschen dies wollen,
aber nur, indem zuerst wir selbst uns ändern.
Alle, die sich dazugehörig fühlen,
gehören dazu.
Sie gehören zur Kirche der Liebe

Siegfried Eckert hat das Forum Reformation initiiert. Er ist Theologe, Autor, Initiator von Kirchentags- und kulturellen Großveranstaltungen, sowie mit Leib und Seele Gemeinde-pfarrer in Bad Godesberg. Er steht für eine weltoffene, gesellschaftlich relevante, kulturell neugierige Arbeit mit theologischem Profil. Am 4.2.1994 wurde er im Rheinland ordiniert. Räume zu schaffen, in denen Menschen einander begegnen, trieb ihn immer schon um. Als Junge in seiner Heimatstadt München, als Theologiestudent in Bayern, Schwaben und am Rhein, als Gemeindepfarrer, seit 2005 in Bonn, zuvor in Essen; als Mitglied der Synode der Evangelischen Kirche im Rheinland, als langjähriger Vorsitzender der Christlich-Jüdischen-Gesellschaft in Bonn. Jetzt: Als Vorsitzender des Forum Reformation. Dass einer den Eisbrecher geben und einen Raum als Erster betreten muss, schreckt ihn nicht ab. Ein Beispiel: Das Café Selig, ein moderner Anbau an seine Kirche, Jazzfestivals und Jazzvespern im Kirchraum, wie auch kabarettistische Glaubenswochen oder das 1. Bonner Festival der Begegnungen. Sicher ist: Siegfried Eckert fühlt sich am wohlsten, reformatorisch betrachtet, an der Front zwischen Gegenwart und Zukunft, als Erster unter Gleichen.

Die Reformation ist mit dem Jubiläumsjahr 2017 nicht abgegolten

Diese Gewissheit traf Siegfried Eckert nicht aus heiterem Himmel. Der Meinung war er schon lange, dies trug er auch nach außen: Ein Thesenjubiläum machte noch keine Reformation. Am 3. Oktober 2017, sozusagen auf der Zielgeraden des Reformationsjubiläums, war Torsten Zugehör, Wittenbergs Oberbürgermeister der erste, der einen Blick in die Zukunft mitwerfen durfte. „Gott in den Ohren liegen“, heißt ein Büchlein, das Siegfried Eckert übers Beten verfasst hat. An jenem Vormittag lag er dem Stadtchef der Lutherstadt mit einer Idee in den Ohren, die ihm keine Ruhe ließ: „Es muss weitergehen.“ Mit der Reformation ging es ja nach 1517 auch erst richtig los, der Thesenanschlag bereitete den Raum für Weiteres. Torsten Zugehör machte seinem Namen alle Ehre: Er hörte zu und fand sich im Gesagten wieder.

Siegfried Eckert predigt gerne bibelbezogen und leidenschaftlich. Das verbindet ihn mit Luther, den er bewundert, aber ohne Sockel verstanden sehen will. Und dem er auch zu widersprechen wagt, denn Eckert setzt auf Ökumene. 2016 gab er ein Interviewbuch mit Frère Alois heraus, dem Prior der ökumenischen Gemeinschaft in Taizé, Titel: „Mehr Ökumene wagen“. Als Gemeindepfarrer nimmt Eckert die Verkündigungsabsicht seines Berufes sehr ernst, behält aber die Basis – die Menschen – im Fokus. Er mutet ihnen Kompetenz zu. Mit dieser Zielsetzung hat er in den zwölf Monaten zwischen dem Reformationstag 2017 und der Gründung des Forums Reformation am 30.10.2018 zahlreiche Menschen angesprochen, viele Kilometer zurückgelegt, geworben, gezweifelt, gefeiert.

Mehr muss man nicht gehört haben, um zu verstehen: Reformation ist kein einmaliges Ereignis. Sie ist ein ewiger Protest. Siegfried Eckert sucht und sorgt für neue Räume, damit die reformatorischen Geister in den Konfessionen, Religionen und Kulturen eine gemeinsame Anlaufstelle am Spiritus Loci der Reformation haben. Die Struktur ist die Geschäftsstelle des Forums im Rathaus von Lutherstadt Wittenberg. Dort ist der Verein ansässig, bewusst gewählt an der Schnittstelle von Kirche und Zivilgesellschaft Das ist sehr protestantisch: Struktur geben, um dann loszulegen: interkonfessionell, interreligiös, interkulturell.

Hier geht es zur Veranstaltung in Leipzig.